Probleme mit dem Vermieter können belastend und verunsichernd sein. Aber es gibt in Deutschland viele Stellen, die Ihnen kompetent und oft auch kostengünstig helfen. Auf dieser Seite finden Sie alle wichtigen Anlaufstellen — von der kostenlosen Erstberatung bis zum spezialisierten Fachanwalt.
Wichtig zu wissen: Egal wie kompliziert Ihre Situation erscheint — es gibt immer Hilfsangebote, auch wenn Sie wenig Geld haben. Prozesskostenhilfe und Beratungshilfe stellen sicher, dass in Deutschland niemand aus finanziellen Gründen auf sein Recht verzichten muss.
Der Deutsche Mieterbund (DMB) ist der Dachverband der Mietervereine in Deutschland und eine der wichtigsten Anlaufstellen für Mieterinnen und Mieter. Seit über 100 Jahren setzt er sich für die Rechte von Mietern ein.
Der DMB vertritt die Interessen von rund 3 Millionen Mitgliedern über seine lokalen Mietervereine. Er ist politisch aktiv, gibt Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben ab und informiert über aktuelle Entwicklungen im Mietrecht.
In ganz Deutschland gibt es über 300 örtliche Mietervereine, die dem DMB angeschlossen sind. Jeder Verein bietet persönliche Beratung vor Ort an — oft auch telefonisch oder per E-Mail. So finden Sie immer eine Anlaufstelle in Ihrer Nähe.
Die Mitgliedsbeiträge liegen in der Regel zwischen 50 und 90 Euro pro Jahr — je nach Verein und Region. Dafür erhalten Sie unbegrenzte Beratung zu allen Mietrechtsfragen während der gesamten Mitgliedschaft.
Tipp: Viele Mietervereine bieten eine Mietrechtsschutzversicherung inklusive oder als günstigen Zusatz an. So sind Sie im Fall eines Rechtsstreits rundum abgesichert — ohne separate Versicherung.
Auf der Website des Deutschen Mieterbunds (mieterbund.de) können Sie über die Postleitzahlen-Suche den für Sie zuständigen örtlichen Mieterverein finden. Alternativ können Sie einfach nach „Mieterverein + [Ihre Stadt]“ suchen.
Eine Mietrechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für Rechtsstreitigkeiten rund um Ihr Mietverhältnis. Sie kann als eigenständige Police oder als Baustein einer allgemeinen Rechtsschutzversicherung abgeschlossen werden.
Fast alle Versicherer verlangen eine Wartezeit von 3 Monaten nach Vertragsabschluss. Das bedeutet: Streitigkeiten, die innerhalb dieser Frist entstehen, sind nicht versichert. Schließen Sie die Versicherung also rechtzeitig ab — nicht erst, wenn der Konflikt bereits besteht.
Achtung: Bereits bestehende Streitigkeiten sind grundsätzlich nicht versicherbar. Der auslösende Konflikt darf erst nach Ablauf der Wartezeit entstanden sein.
Eine Rechtsschutzversicherung lohnt sich besonders, wenn Sie in einer Region mit angespanntem Wohnungsmarkt leben, einen schwierigen Vermieter haben oder eine teurere Wohnung mieten. Schon ein einziger Rechtsstreit kann mehrere Tausend Euro kosten.
Viele Tarife sehen eine Selbstbeteiligung von 150 bis 300 Euro pro Rechtsfall vor. Tarife ohne Selbstbeteiligung sind teurer, können sich aber lohnen, wenn Sie eine niedrige Hemmschwelle für die Rechtsdurchsetzung wünschen.
Die Prozesskostenhilfe ist ein wichtiges Instrument des Sozialstaats: Sie stellt sicher, dass auch Menschen mit geringem Einkommen ihre Rechte vor Gericht durchsetzen können. Niemand soll aus Geldmangel auf sein Recht verzichten müssen.
Die Freibeträge orientieren sich an den Sozialhilfe-Regelsätzen und werden regelmäßig angepasst. Berücksichtigt werden: Nettoeinkommen, Wohnkosten, Unterhaltspflichten, Versicherungen und besondere Belastungen. Auch Empfänger von Bürgergeld, Sozialhilfe oder BAföG haben in der Regel Anspruch.
Gut zu wissen: Wenn Ihr Einkommen knapp über der Freigrenze liegt, kann PKH auch mit Ratenzahlung bewilligt werden. Sie zahlen dann monatliche Raten über maximal 48 Monate — oft deutlich weniger als die vollen Prozesskosten.
Während die Prozesskostenhilfe für Gerichtsverfahren gilt, hilft die Beratungshilfe Ihnen bereits vor einem Prozess — bei der außergerichtlichen Beratung und Vertretung durch einen Rechtsanwalt.
Mit einem Beratungshilfeschein können Sie sich von einem Rechtsanwalt Ihrer Wahl beraten und vertreten lassen. Sie zahlen dafür lediglich eine Eigenbeteiligung von 15 Euro — alles Weitere übernimmt die Staatskasse.
Tipp: Die Beratungshilfe ist auch für Mietrechtsfragen anwendbar — z.B. bei Fragen zur Kündigung, Mieterhöhung, Mängelanzeige oder Nebenkostenabrechnung. Nutzen Sie dieses Angebot, bevor ein Streit eskaliert!
In vielen Bundesländern (z.B. Bremen, Hamburg) können Sie den Beratungshilfeschein auch direkt beim Rechtsanwalt beantragen, ohne vorher zum Amtsgericht gehen zu müssen. Fragen Sie einfach bei der Kanzlei nach.
Die Verbraucherzentralen sind unabhängige, gemeinnützige Organisationen, die Verbraucher in vielen Lebensbereichen beraten — auch im Mietrecht. Es gibt in jedem Bundesland eine Verbraucherzentrale mit zahlreichen Beratungsstellen.
Die Verbraucherzentralen bieten rechtliche Erstberatung zu mietrechtlichen Fragen an. Die Beratung ist unabhängig, kompetent und zu deutlich günstigeren Kosten als eine reguläre Anwaltsberatung.
Die Kosten für eine Beratung liegen meist zwischen 5 und 40 Euro, je nach Thema und Umfang. Einige Angebote wie die Energieberatung sind sogar kostenlos. Damit ist die Verbraucherzentrale eine der günstigsten professionellen Beratungsmöglichkeiten.
Gut zu wissen: Die Verbraucherzentrale ist ideal als erste Anlaufstelle, wenn Sie unsicher sind, ob Sie ein Problem haben und welche Schritte sinnvoll sind. Von dort aus können Sie gezielt an spezialisierte Stellen weitergeleitet werden.
Nicht jeder Konflikt muss vor Gericht enden. Schlichtungsstellen bieten eine außergerichtliche Streitbeilegung an — schneller, günstiger und oft weniger belastend als ein Gerichtsverfahren.
In einigen Bundesländern (z.B. Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt, Brandenburg) ist bei bestimmten Streitigkeiten ein obligatorischer Schlichtungsversuch vor einer Klage vorgeschrieben (sog. „obligatorische Streitschlichtung“ gemäß § 15a EGZPO).
Empfehlung: Bevor Sie klagen, prüfen Sie, ob eine Schlichtung möglich ist. Viele Streitigkeiten — z.B. über Nebenkosten, Schönheitsreparaturen oder Kautionsrückzahlung — lassen sich auf diesem Weg schneller und stressfreier lösen.
Bei komplexen oder strittigen Fällen ist ein Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht die beste Wahl. Diese Anwälte haben eine spezielle Zusatzausbildung und umfangreiche Erfahrung im Mietrecht.
Die Kosten für eine anwaltliche Erstberatung sind gesetzlich begrenzt auf maximal 190 Euro netto (226,10 Euro brutto) gemäß § 34 Abs. 1 RVG. Viele Anwälte bieten auch günstigere Erstgespräche an. Fragen Sie vorab nach den Kosten.
Die Kosten eines Gerichtsverfahrens richten sich nach dem Streitwert. Bei Mietstreitigkeiten beträgt der Streitwert in der Regel die 12-fache Monatsdifferenz (z.B. bei strittiger Mieterhöhung) oder die 12-fache Monatsmiete (bei Kündigung). Ein Verfahren mit Streitwert von 5.000 Euro kostet inklusive Anwalt beider Seiten ca. 2.500–4.000 Euro.
Wichtig: Handeln Sie nicht voreilig — aber warten Sie auch nicht zu lange. Viele Ansprüche unterliegen Verjährungsfristen. Wenn Ihnen z.B. eine Kündigung zugestellt wird, laufen sofort Fristen. Suchen Sie zeitnah rechtliche Hilfe.
Im Internet finden Sie zahlreiche seriöse und kostenlose Informationsquellen zum Mietrecht. Die folgenden Websites sind besonders empfehlenswert:
mieterbund.de — Dachverband der Mietervereine mit Vereinssuche
verbraucherzentrale.de — Unabhängige Beratung zu Mietrecht und Nebenkosten
gesetze-im-internet.de — Alle Bundesgesetze im Volltext (offiziell)
Gesetze mit Querverweisen, Urteilen und Kommentaren
bmj.de — Gesetzgebung, Publikationen und Bürgerservice
justiz.de — Ihr zuständiges Amtsgericht finden
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